Der weltweite Medizintechnik-Markt ist hart umkämpft. Um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, oder Kosten einzusparen, geben viele OEMs einige oder alle Herstellungsprozesse an Drittunternehmen ab. Doch muss bei der Wahl des Outsourcing-Partners so einiges beachtet werden.
By: Markus Steidl, Vertriebsleiter Deutschland, Iftest AG
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| Bei Iftest wird für die Gerätemontage auf flexible Arbeitsplätze Wert gelegt. |
Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe, die ein Unternehmen dazu bewegen, Prozesse outzusourcen. Mittlere und große Unter-nehmen wollen sich hauptsächlich verstärkt auf Ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Kleine Unternehmen und Unternehmen, die in neue Geschäftsbereiche vorstoßen, wollen vom Know-how der „Profis“ profitieren, um so schneller und flexibler am Markt agieren zu können.
Für ein Outsourcing-Vorhaben ist es wichtig, sich von Geschäftsprozessen, die nicht zu den Kernkompetenzen gehören, zu befreien und diese Aufgaben fremd zu vergeben. Auch Prozesse, die noch als „strategisch“ angesehen werden, sollen in diesem Zusammenhang dringend überdacht werden. Als erstes müssen natürlich die Hausaufgaben gemacht werden. Das Outsourcing bedarf einer sorgfältigen Planung und einer strategischen Überlegung. Wichtig ist das Erkennen von Schwächen, Stärken, Risiken und Chancen. Damit der Dienstleister wesentliche Qualitätsanforderungen erfüllen kann und alle wichtigen Fähigkeiten zur Leistungserbringung hat, ist die Auswahl des Partners ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
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| Die Iftest AG nimmt Flying-Probe-Tests vor. |
Wie wird zum Beispiel ein geeigneter Partner für Outsourcing-Projekte für Elektronikdienstleistungen gefunden und welche Eigenschaften sollte dieser haben? Die Softfacts zur Auswahl sollen nicht zu kurz kommen. Dazu gehören zum Beispiel Branchen-Know-how, Aufzeigen der Kompetenz, in dem standardisierte und dokumentierte Prozesse vorhanden sind, vertrauensvolles und partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe. So verfügt die Iftest AG über langjährige Erfahrung in Outsourcing-Projekten im Bereich der Elektronik.
Auch die elektronische Datenverarbeitung deckt Prozesse wie etwa den kontinuierlichen Verbesserungsprozess und das Reklamations- und Fehlerbehebungs-Management ab. Es werden sogar Prozesse abgewickelt, bei denen der Endkunde direkt beliefert wird und auch der Reparaturservice übernommen wird. Das Berichtswesen, das den Outsourcing-Kunden immer über die aktuellen Zahlen und Vorfälle informiert, ist als Standard im System abgebildet.
Unternehmen, die schnell wachsen, können durch Outsourcing eigene Spezialisten freisetzen und diese an anderen strategischen Punkten einsetzen und so günstig mit vorhandenem und erfahrenem Personal das schnelle Wachstum stabilisieren.
Natürlich gibt es nicht nur Vorteile beim Outsourcing. Nachteile sind zum Beispiel die Gefahr der Abkühlung des Betriebsklimas durch Existenzängste, oder der erhöhte Aufwand bei der Kommunikation und Abstimmung im Projekt. Haben Mitarbeiter des Kunden die ausgelagerten Tätigkeiten bisher selbst übernommen, müssen sie den externen Outsourcing-Partner über die Aufgaben informieren. Hier besteht die Gefahr, dass die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz fürchten. In diesem Fall sehen sie den Outsourcing-Partner als Konkurrenten.
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| Eine Mitarbeiterin der Iftest AG nimmt eine Korrektur durch eine AOI (Automatische Optische Inspektion) vor. |
Existenzängste können nur mit Information und Mitwirken im Projekt eliminiert werden. Durch regelmäßige Meetings auf allen Personal-Ebenen lernen sich die „gegenüberstehenden“ Partner schon in einer frühen Projektphase kennen und sind so immer über die aktuellen Projektthemen informiert. Jeder kann im Meeting seinen Beitrag zum Erfolg des Outsourcing-Projektes leisten. Wenn jeder Mitarbeiter des Kunden seine neuen Aufgaben, die in Zukunft auf ihn zukommen, kennt und auch seine eigene Zukunft durch das Mitwirken in den Projektteams gestalten kann, ist schon die erste Hürde geschafft.
Vorgehensweise und Kriterien bei der Wahl des Outsourcing-Partners:
Ist-Analyse
- Erkennen der Markt- und Wettbewerbsposition
- Kernkompetenzen erkennen und definieren
- Identifikation von Outsourcing-Potenzialen und -Projekten
Make or buy
- Bewertung der Wirtschaftlichkeit
- Anzahl der zu vergebenden Leistungen und Prozesse
- TCO (Total Cost of Ownership)
Vorauswahl EMS-Anbieter
- Branchenkompetenz
- Struktur und Größe des Anbieters (kann ein Verhältnis auf Augenhöhe aufgebaut werden)
- Möglichkeiten des gemeinsamen Wachsens gegeben
- Steigerung der Flexibilität durch die Übernahmen der verschiedenen Aufgaben vorhanden
- Know-how und Referenzen des Anbieters
- Komplettes Outsourcing-Spektrum durch den Anbieter abgedeckt
- Mehrwert der Anbieter
- Welche Ideen hat der Anbieter mit eingebracht
- Entscheidung für einen Outsourcing-Partner
- Entscheidungsmatrix führen
- Bewertungskriterien definieren und gewichten
- Sympathie und Vertrauen
Vertragsinhalte
- Rahmenparameter
- Zeiträume
- Umfang
- Aufgaben
- Verantwortungsbereiche
- Garantien
Ein Beispiel aus der Medizintechnik zeigt die Arbeitsweise von Iftest
Iftest führte zusammen mit Varian Medical Systems ein Projekt im Bereich der Strahlentherapie durch. Hierbei sind die Ansprüche sehr hoch, weil die Patienten erwarten, dass alles nur Erdenkliche für die Erhaltung ihrer Gesundheit getan wird. Varian Medical Systems ist Hersteller von komplexen Systemen für die Strahlentherapie in Krankenhäusern und anderen Gesundheitsinstitutionen und gehört zu einem weltweit tätigen Konzern. Varian Medical Systems produziert nicht selbst, sondern arbeitet gezielt mit einer Vielzahl von Outsourcing-Partnern zusammen.
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| Vollautomatische SMD-Bestückung bei Iftest. |
In diesem Projekt übernahm Iftest bestimmte Fertigungsarbeiten im Elektronikbereich für ein Gerät zur Strahlentherapie. In der Strahlentherapie werden besondere Anforderungen gestellt: Für die Behandlung werden hochenergetische Photonenstrahlen erzeugt. Dies bedingt eine sorgfältige Auswahl und Evaluation der zu verwendenden Komponenten und Bauteile. Diese Komponenten werden bei Varian Medical Systems in einem besonderen Raum auf Strahlenresistenz hin ausgetestet, bevor sie bei einem Produkt eingesetzt werden.
Das Projekt begann mit dem Entwurf des Pflichtenheftes von Varian Medical Systems inklusive der Erstellung des Schemas der Leiterplatten. Iftest hat das Layout der Leiterplatten gemäß Pflichtenheft erstellt und Funktionstests an den hergestellten Platinen durchgeführt. Iftest ist seit vielen Jahren Partner von Varian Medical Systems und stellt pro Jahr rund 25.000 Leiterplatten für die diversen Steuer- und Überwachungselemente der Hightech-Bestrahlungsgeräte her. ■
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