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Die MEDTEC Europe-Erfolgsgeschichte wird auch 2010 fortgeschrieben


Posted by Brian Buntz on February 18, 2010

Ein Interview mit Gregor Bischkopf, Bereichsleiter europäische Messen für Canon Communications 


Die Besucherzahlen der letztjährigen Messe übertrafen die Erwartungen, was angesichts der düsteren Nachrichten aus der Wirtschaftswelt manchen überraschte. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Das Jahr 2009 war eines der gesamtwirtschaftlich schwierigsten Jahre, an die wir zurückdenken können. Daher war es in der Tat für viele überraschend, dass die MEDTEC Europe 2009 bei den Besucherzahlen und bei der Ausstellungsfläche ein weiteres Wachstum von beeindruckenden 20 Prozent verzeichnen konnte. Wenn man den Markt für Medizinprodukte betrachtet, ist dieses Ergebnis jedoch nicht so überraschend. Weltweit wächst der internationale Markt der Medizinprodukteherstellung derzeit mit einer Rate von 9 Prozent. In einem Industrieland wie Deutschland beträgt die Wachstumsrate knapp 4 Prozent. Der Grund hierfür ist, dass speziell in der Medizinprodukteindustrie 10 Prozent der Einnahmen in die Forschung und Entwicklung reinvestiert werden, um den ständigen Bedarf an verbesserten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten erfüllen zu können.

 

Erwarten Sie in diesem Jahr eine ähnliche Zunahme der Besucherzahlen? Was können Sie zur Zahl der Aussteller in diesem Jahr sagen?

Auch für 2010 wird dem Medizinproduktemarkt ein fortgesetztes Wachstum von 10 Prozent prognostiziert, während andere Branchen nur langsam wieder in Fahrt kommen. Daher versuchen viele in verwandten Branchen tätige Unternehmen, die die Herstellung von Präzisionsteilen beherrschen, in diesem boomenden Sektor, der sich aus einem Nischenmarkt entwickelt hat, Fuß zu fassen. Diese Entwicklung wird sich natürlich auch auf der MEDTEC Europe 2010 widerspiegeln. Für das Jahr 2010 rechnen wir zurzeit damit, auf der Landesmesse Stuttgart erstmals drei Ausstellungshallen mit über 650 Ausstellern zu füllen.

 

Gibt es bei der diesjährigen Messe etwas Besonderes, auf das potenzielle Besucher achten sollten? Nimmt die Bedeutung bestimmter auf der Messe vertretener Bereiche zu? Gibt es neue Technologien, die derzeit eine breite Akzeptanz gewinnen?

Die MEDTEC Europe bietet wieder Spezialpavillons zu vielfältigen Schwerpunktthemen. Die im Pavillon Medical Packaging vorgestellten Lösungen für medizinische Verpackungen reichen von der Abfülltechnik bis zu Verpackungsmaterialien und von der Fertigung von Einmalprodukten bis zu Dienstleistungen. Im Pavillon Medical Plastics können sich Besucher über aktuelle Rohstoffe und Maschinen für die Produktion und Verarbeitung medizinischer Kunststoffe informieren. Der Pavillon Automation & Assembly präsentiert neueste Montage- und Automatisierungstechnik für pharmazeutische und medizintechnische Fertigungsanlagen. Im Pavillon PrecisionTec schließlich sind Anbieter von Rohstoffen und Anlagen für die Fertigung von Hightech-Produkten zu finden.

 

Verglichen mit anderen Veranstaltungen der MEDTEC-Reihe (etwa in Frankreich und Irland) wird dieser Messe eher eine internationale Bedeutung beigemessen. Können Sie diese Einstufung mit statistischen Daten belegen? Wie passt der Veranstaltungsort Stuttgart zu diesem internationalen Anspruch?

In der Messestadt Stuttgart liegt die MEDTEC Europe ideal im Herzen von Europas wichtigstem Zentrum der verarbeitenden Industrie allgemein und speziell in einem der weltweit größten Ballungszentren der Medizinprodukteindustrie. Mit 630 Ausstellern aus 32 Ländern und einem Publikum von mehr als 11.000 Entscheidungsträgern, von denen 45 Prozent von außerhalb Deutschlands anreisen, ist die MEDTEC Europe nicht nur die führende Fachmesse für die europäische Medizinprodukteindustrie, sondern sie ist auch die zweitgrößte Messeveranstaltung für die Medizin-produkteindustrie überhaupt nach der MD&M West in den USA, die ebenfalls von Canon Communications veranstaltet wird. 

Die MEDTEC Ireland, die MEDTEC UK und seit ihrer Premiere 2009 auch die MEDTEC France sind regionale Satellitenveranstaltungen für die jeweiligen Märkte in den einzelnen Ländern. Da Ingenieure in der Regel über ein begrenztes Reisekostenbudget verfügen, möchten wir auf diese Weise sicherstellen, dass Fertigungsspezialisten aus Betrieben in anderen wichtigen Zentren der Medizintechnik unsere Fachmessen besuchen und die neueste Technologie kennenlernen können, ohne ihr Reisekostenbudget überstrapazieren zu müssen. Wie der Erfolg aller Veranstaltungen der MEDTEC-Reihe im Jahr 2009 zeigt, wird dieses Konzept vom Markt ganz klar angenommen.

 

Wie wird die zukünftige Entwicklung der MEDTEC in Stuttgart und der MEDTEC-Reihe allgemein aussehen? 

Unseren Erwartungen nach wird die MEDTEC Europe auch zukünftig weiter wachsen, um den ständig zunehmenden Innovationsbedarf der Medizinprodukteindustrie zu befriedigen. Im Jahr 2010 kommen zwei neue Angebote hinzu, von denen wir annehmen, dass sie mit der Zeit an Bedeutung gewinnen werden. Das erste ist der neue Messebereich 3C („Cleanrooms and Contamination Control“) für Reinraum- und Kontaminationstechnologie. Die 3C ist für jedes Unternehmen interessant, das für die Herstellung von Medizinprodukten bereits Reinraumtechnik nutzt oder eine Investition in diesem Bereich erwägt. Viele führende europäische Anbieter von Reinraumanlagen und ergänzenden Produkten und Dienstleistungen sind vertreten, und die Besucher haben Gelegenheit, mehr über das aktuelle Angebot am Markt zu erfahren. Das zweite ist die neu hinzugekommene RapidWorld. Dieser Teil der Messe gewährt einen detaillierten Einblick in die Rapid-Technologie, die für die Hersteller von Medizinprodukten zunehmend von Interesse ist – sowohl in Hinblick auf ein schnelleres Erreichen der Marktreife als auch in Hinblick auf generative Verfahren für die Kleinserienfertigung oder sogar für die individuelle Anfertigung von Produkten.

Darüber hinaus entwickelt sich MEDTEC als Weltmarke weiter. Es ist ganz einfach so, dass Ingenieure vielbeschäftigte Menschen sind, die nicht die Zeit haben, um die Welt zu reisen, um ihre Lieferanten zu treffen. Darum bringt die MEDTEC die Lieferanten zu ihnen in jede Region der Welt. Aus diesem Grund ist die MEDTEC inzwischen in jeder größeren Marktwirtschaft etabliert, in der die Herstellung von Medizinprodukten einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt: in Japan, in den USA mit der MD&M, in Irland, in Großbritannien und in Frankreich. Während Wirtschaftsunternehmen in den Schwellenländern in die Medizinprodukteherstellung einsteigen, entwickeln wir parallel dazu Messeveranstaltungen, die auf die Bedürfnisse in diesen Ländern zugeschnitten sind. Häufig gehört dazu die Vermittlung grundlegender Kenntnisse in Bereichen wie der Werkstoffkunde und der nachhaltigen Produktion. In China findet bereits seit fünf Jahren regelmäßig eine Messe der MEDTEC-Reihe statt, und in Kürze wollen wir in Indien und Brasilien neue Veranstaltungen ankündigen. ■

Im April 2006 kam Gregor Bischkopf als Event Manager für die MEDTEC Europe zu Canon Communications. Seit Oktober 2009 ist er als Group Manager European Events zuständig für alle Canon-Veranstaltungen in Europa. Bischkopf hat BWL studiert und machte 2001 seinen Abschluss als Diplomkaufmann. Nach seiner Graduierung war er bei der Kölner Messe tätig. 

 

 

 

 

 

 



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