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Published: February 18, 2010
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MedTech-Branche trotzt der Wirtschaftskrise und bleibt ein Jobmotor

Die Unternehmen der Medizintechnologie trotzen der Wirtschafts- und Finanzkrise, sind in 2009 mit knapp 4 Prozent gewachsen und schaffen weiter Arbeitsplätze. Das ist das Fazit von Umfragen zur Lage der MedTech-Branche und zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. 

By: Joachim M. Schmitt, BVMed-Geschäftsführer & Mitglied des Vorstands
Manfred Beeres, Leiter Kommunikation, BVMed

Eine Branchenbefragung des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) vom Oktober 2009, an der sich 110 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben, zeigte: Die Stimmung in der Branche hat sich im Herbst 2009 gegenüber dem Frühjahr 2009 verbessert. Die Unternehmen der Medizintechnologie trotzen weiterhin der Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Umsatzwachstum liegt bei durchschnittlich knapp 4 Prozent. Der inländische Preisdruck hält weiter an, konnte aber in den meisten Bereichen durch weitere Absatzsteigerungen aufgrund steigender Fallzahlen überkompensiert werden. Es leiden jedoch die Deckungsbeiträge und die Gewinnsituation der Unternehmen.
 
Überraschend ist, dass trotz der Wirtschaftskrise die MedTech-Branche in Deutschland ein Jobmotor bleibt. Rund 47 Prozent der Unternehmen haben gegenüber dem Vorjahr neue Arbeitsplätze geschaffen. Die über 220 BVMed-Mitgliedsunternehmen haben 2009 rund 4.200 neue Jobs geschaffen. Derzeit beschäftigt die Branche insgesamt über 175.000 Menschen in Deutschland.
 
Die Ergebnisse der BVMed-Umfrage im Einzelnen:
  •  52 Prozent der befragten MedTech-Unternehmen rechnen 2009 mit einem besseren Umsatzergebnis als 2008. Das ist ein deutlich positiverer Wert als bei der Frühjahrsumfrage 2009 ein halbes Jahr zuvor (37 Prozent). Die Verunsicherung durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ist damit einer zunehmenden Zuversicht gewichen. Lediglich 19 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem schwächeren Ergebnis. Wir schätzen das Umsatzwachstum in diesem Jahr auf rund 3 bis 4 Prozent.  
  •  Die MedTech-Branche bleibt ein Jobmotor. 47 Prozent der befragten Unternehmen haben gegenüber dem Vorjahr neue Arbeitsplätze geschaffen. Bei 30 Prozent blieb die Beschäftigtenzahl stabil. Allerdings haben auch 17 Prozent der Unternehmen gegenüber dem Vorjahr Personal abgebaut. Hochgerechnet auf die BVMed-Mitgliedsunternehmen haben die Verbandsmitglieder insgesamt rund 4.200 neue Arbeitsplätze gegenüber dem Vorjahr geschaffen.
     
  •  Der Ausblick der Unternehmen auf das Jahr 2010 fällt vorsichtiger aus. 46 Prozent erwarten ein besseres Ergebnis, 39 Prozent erwarten Stillstand und 15 Prozent sogar Umsatzeinbußen. Die Zurückhaltung ist in erster Linie durch die verschlechterte Finanzsituation des Gesundheitsfonds in 2010 begründet. 57 Prozent der BVMed-Unternehmen erwarten dadurch indirekte negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft. 
  •  Befragt nach den konkreten Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise nennen die Unternehmen vor allem den stärkeren Preisdruck (64 Prozent) sowie eine generell angespanntere Finanzlage (47 Prozent). Für 2010 befürchten die Unternehmen eine weitere Zunahme des Drucks auf die Preise von Produkten und Dienstleistungen (80 Prozent). Konkrete Maßnahmen wie einen Einstellungsstopp haben 23 Prozent der Unternehmen eingeleitet. 30 Prozent sagen, dass sie Investitionen aufgeschoben haben.

    Rund 17 Prozent der Unternehmen spüren derzeit keinerlei Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf die laufenden Geschäfte. Im Frühjahr waren es noch 25 Prozent.

 
Wie werden sich die Rahmenbedingungen für MedTech-Unternehmen unter der schwarz-gelben Bundesregierung entwickeln?
Manfred Beeres, M.A., Leiter Kommunikation, BVMed

 

Die Unternehmen der Medizintechnologie sind zuversichtlich, wenn sie auf den Start der neuen Regierung schauen. Ein Drittel unserer Mitgliedsunternehmen erwartet verbesserte Rahmenbedingungen für die Medizintechnologie-Branche durch die neue Bundesregierung. Eine weitere Verschlechterung erwarten nur 8 Prozent. Der Rest geht von gleichbleibenden Rahmenbedingungen aus.

In einem sind sich alle einig: Die Gesundheitswirtschaft ist eine der Branchen mit dem größten Wachstumspotenzial und hohen Beschäftigungsmöglichkeiten für qualifizierte Fachkräfte – und daneben ein sogar in Krisen erstaunlich stabiler Exportfaktor. Als besonders innovativ, wachstumsstark und zukunftsträchtig gilt in Deutschland die Medizintechnik-Branche. Hier einige Marktdaten:
 
 
 
 
 
  •  Insgesamt beschäftigt die Branche über 175.000 Menschen in rund 11.000 Unternehmen in Deutschland.  
  •   Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unterneh-men rund 9 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die höchstens drei Jahre alt sind. Die Innovationszyklen sind im Gegensatz zur Pharmabranche also extrem hoch. 
  •  Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen legte in Deutschland 2008 um 2,5 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro zu.  
  • Die Gesundheitsausgaben im Bereich der Medizinprodukte betragen in Deutschland insgesamt rund 23 Milliarden Euro. Diese Zahl beinhaltet alle Ausgabenträger, also beispielsweise auch die Privathaushalte.
 
Was ist nun von der neuen Bundesregierung zu erwarten?
Wir erwarten mehr wettbewerbliche Elemente im Gesundheitsmarkt, eine schnellere Umsetzung von Produkten in den Behandlungsalltag – sowohl in den Krankenhäusern als auch im niedergelassenen Bereich, und eine ganzheitlichere Betrachtung von Innovationen der Medizintechnologie.
 
Um die Rahmenbedingungen für die MedTech-Branche wirksamer zu gestalten, hat der BVMed der Politik einen 10-Punkte-Plan für die Versorgung von Patienten mit fortschrittlicher Medizintechnologie vorgelegt. Der Zugang für medizintechnische Innovation sollte unbürokratisch und flexibel gestaltet werden. Medizintechnische Innovationen müssten im Krankenhaus auch weiterhin ungehindert eingeführt werden können. Der BVMed schlägt einen Innovationspool zur schnelleren Einführung von medizintechnischen Innovationen vor. Homecare und Telemedizin sollten feste Bestandteile der Regelversorgung werden.

Die zehn Punkte in Schlagzeilen:
Joachim M. Schmitt, BVMed-Geschäftsführer & Mitglied des Vorstands
1. Die besondere Wertigkeit von CE-gekennzeichneten Medizinprodukten muss besser herausgestellt werden, beispielsweise durch ein CE-Med-Zeichen.
2. Der Zugang für medizintechnische Innovation soll unbürokratisch und flexibel gestaltet werden. Um einen flexibleren und schnelleren Zugang zum medizintechnischen Fortschritt zu ermöglichen, schlägt der BVMed eine Vereinfachung und Entbürokratisierung bei der Vergütung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor.
3. Medizintechnische Innovationen müssen im Krankenhaus ungehindert eingeführt werden können.
4. Zur schnelleren Einführung von medizintechnischen Innovationen in die GKV sprechen wir uns für einen Innovationspool aus. 
5. Wir setzen uns für ein Steuerbegünstigtes InnovationsSparen (SIS) ein.
6. Versorgungsforschung als gemeinsame Aufgabe aller Akteure im Gesundheitswesen halten wir für sinnvoll und notwendig.
7. Kooperationen zwischen medizinischen Einrichtungen und
Industrie sind zur Verbesserung der Patientenversorgung gewollt und dringend notwendig.
8. Die Qualität bei Medizinprodukten (wie z. B. im Teilbereich Hilfsmittel) muss wieder in den Vordergrund gestellt werden. Patienten müssen ihren Leistungserbringer und ihre Produkte frei wählen können.
9. Homecare soll regulärer Bestandteil der GKV werden.
10. Telemedizin soll Bestandteil der Regelversorgung werden.
 
Unser Fazit lautet: Wenn wir Innovationen fördern, dabei koordinierter vorgehen und Qualitätsaspekte stärker berücksichtigen, dann werden die MedTech-Unternehmen auch in Zukunft zum Wohle der Patienten ein Motor der Gesundheitswirtschaft sein.
 

 


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